Ist-Versteuerung 2026: Warum ich Umsatzsteuer und Betriebsmittelkredit getrennt plane
Wenn eine Kundenrechnung erst spät bezahlt wird, kann das für die Umsatzsteuer und für meine kurzfristige Finanzierung zwei verschiedene Zeitpläne auslösen. Ich prüfe deshalb zuerst, ob im Unternehmen Soll- oder Ist-Versteuerung gilt. Die Ist-Versteuerung ist keine automatische Wahl beim Schreiben der Rechnung: Das Finanzamt kann sie auf Antrag unter den gesetzlichen Voraussetzungen gestatten.
Soll und Ist verschieben den Umsatzsteuer-Zeitpunkt
Bei der Soll-Versteuerung entsteht die Umsatzsteuer grundsätzlich mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem ich die Lieferung oder Leistung ausgeführt habe. Die Zahlung des Kunden muss dafür noch nicht auf dem Konto sein. Bei einer genehmigten Ist-Versteuerung entsteht sie dagegen in dem Voranmeldungszeitraum, in dem das Entgelt tatsächlich vereinnahmt wird. Für eine Überweisung ist grundsätzlich die Gutschrift auf dem Konto maßgeblich.
Der Wechsel ist nicht automatisch. §20 UStG nennt mehrere Wege, auf denen das Finanzamt die Berechnung nach vereinnahmten Entgelten gestatten kann. Dazu zählen unter anderem ein Gesamtumsatz von höchstens 800.000 Euro im vorangegangenen Kalenderjahr oder bestimmte Buchführungsbefreiungen; für bestimmte freiberufliche Umsätze gibt es ebenfalls eine Möglichkeit. Welche Voraussetzung auf meinen Betrieb passt, kläre ich mit dem Finanzamt oder meiner Steuerberatung. Ich plane keine Finanzierung auf Basis einer bloßen Annahme, der Antrag werde schon bewilligt.
Eine Anzahlung ist ein eigener Fall
Auch bei der Soll-Versteuerung kann Umsatzsteuer auf eine Anzahlung bereits in dem Voranmeldungszeitraum entstehen, in dem ich sie erhalte, wenn die Leistung noch nicht ausgeführt ist. Ich trenne deshalb Kundenanzahlungen von offenen Schlussrechnungen und halte fest, wann Geld tatsächlich eingegangen ist. Wer gerade das Verfahren wechselt, sollte zusätzlich mit der Steuerberatung klären, wie Umsätze ohne Doppelzählung oder Lücke zugeordnet werden.
Was ein Betriebsmittelkredit damit zu tun hat
Eine genehmigte Ist-Versteuerung kann den Zeitpunkt der Umsatzsteuer zu unbezahlten Kundenrechnungen verändern. Sie beseitigt aber keinen sonstigen Liquiditätsbedarf: Löhne, Miete, Material, Lieferantenrechnungen und Tilgungen haben weiterhin ihre eigenen Fälligkeiten. Und wenn der Kunde gezahlt hat, ist der Umsatzsteueranteil noch kein frei verfügbares Betriebskapital. Ich plane den erwarteten Zahlungseingang und die spätere Steuerzahlung deshalb getrennt.
Im Gespräch über eine Kreditlinie würde ich meine BWA mit einem klaren Datenstand, eine offene-Posten-Liste und den realistischen Zahlungsplan zusammenstellen. Wenn ein Kreditgeber nach Umsatzsteuer-Unterlagen fragt, benenne ich das angewandte Verfahren und dessen Genehmigung korrekt. Ein Steuerzeitpunkt ist weder ein zusätzlicher Gewinn noch eine Zusage, dass die Bank einen bestimmten Rahmen bewilligt.
Meine kurze Prüfliste
- Ich bestätige mit Steuerberatung oder Finanzamt, ob Soll- oder Ist-Versteuerung für den Betrieb zulässig und genehmigt ist.
- Ich plane offene Rechnungen und bereits vereinnahmte Anzahlungen getrennt.
- Ich reserviere den Umsatzsteuerbetrag, sobald er für die Voranmeldung relevant ist.
- Ich rechne den Betriebsmittelkredit anhand der echten Fälligkeiten und Rückzahlung, nicht anhand eines möglichen Steueraufschubs.
- Bei einem Methodenwechsel lasse ich den Übergang prüfen, damit kein Umsatz doppelt erfasst wird oder unversteuert bleibt.
Umsatzsteuer und Einkommensteuer sind unterschiedliche Rechengrößen. Für eine weitere Einordnung der Einkommensteuer im Liquiditätsplan habe ich auch die Vorauszahlung im Dezember separat behandelt. Bei der Umsatzsteuer starte ich dagegen mit der Genehmigung nach §20, dem tatsächlichen Zahlungseingang und meiner nächsten Voranmeldung.