Kontokorrentkredit oder Betriebsmittelkredit – mein ehrlicher Vergleich für Unternehmer

Ich gebe es offen zu: Früher habe ich nicht wirklich unterschieden. Kredit war Kredit – Hauptsache, ich hatte Geld, um meine laufenden Kosten zu decken. Aber mit den Jahren habe ich gemerkt, dass es einen großen Unterschied macht, ob ich einen Kontokorrentkredit oder einen klassischen Betriebsmittelkredit nutze.

Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Und je nach Situation ist mal das eine, mal das andere die bessere Lösung.


Was genau ist ein Kontokorrentkredit?

Ein Kontokorrentkredit ist im Grunde genommen so etwas wie der Dispo fürs Geschäftskonto.
Meine Bank setzt einen Rahmen fest – sagen wir mal 50.000 € – und ich kann jederzeit ins Minus gehen, solange ich innerhalb dieses Rahmens bleibe.

Der Vorteil: Ich habe maximale Flexibilität. Ich zahle nur Zinsen auf den Betrag, den ich tatsächlich nutze. Und wenn plötzlich eine Zahlung reinkommt, bin ich wieder ausgeglichen.
Der Nachteil: Die Zinsen sind in der Regel deutlich höher als bei klassischen Krediten. Zudem vergibt nicht jede Bank ohne Weiteres einen Kontokorrent, gerade wenn die Unternehmenszahlen schwächeln.


Der klassische Betriebsmittelkredit

Hier sieht die Sache anders aus. Ein Betriebsmittelkredit ist ein fest vereinbarter Kreditbetrag, den ich über eine bestimmte Laufzeit zurückzahle.
Die Zinsen sind meist günstiger als beim Kontokorrent, aber dafür ist die Flexibilität eingeschränkt.
Das bedeutet: Ich bekomme beispielsweise 100.000 € ausgezahlt, muss diese über zwei Jahre in Raten zurückzahlen – unabhängig davon, ob ich das Geld gerade brauche oder nicht.


Mein persönlicher Vergleich

Ich nutze beide Varianten – je nachdem, was gerade ansteht:

  • Kontokorrentkredit: Ideal für kurzfristige Engpässe, wenn ich mal eine Rechnung früher bezahlen muss oder ein Kunde verspätet überweist. Das ist wie eine Art „Finanz-Puffer“.
  • Betriebsmittelkredit: Perfekt, wenn ich größere Anschaffungen oder Wareneinkäufe plane, die ich über mehrere Monate hinweg finanziere. Da brauche ich planbare Raten und geringere Zinsen.

Ich habe einmal versucht, einen großen Wareneinkauf komplett über den Kontokorrent zu stemmen. Das war ein Fehler – die Zinsen haben meine Marge fast aufgefressen. Seitdem bin ich vorsichtiger und überlege genau, wofür ich welche Kreditart nutze.


Worauf ich beim Vergleich achte

  • Kosten: Effektiver Jahreszins ist der Schlüssel.
  • Flexibilität: Habe ich lieber freie Verfügbarkeit oder feste Planungssicherheit?
  • Verfügbarkeit: Der Kontokorrent ist oft schnell eingerichtet, ein Betriebsmittelkredit braucht manchmal mehr Unterlagen.
  • Sondertilgungen: Gerade beim Betriebsmittelkredit wichtig, falls ich schneller zurückzahlen möchte.

Es gibt nicht das eine „richtige“ Produkt.
Für mich ist die Wahrheit: Kontokorrent und Betriebsmittelkredit ergänzen sich.
Wer beide clever kombiniert, hat sowohl die notwendige Flexibilität als auch die Planungssicherheit, die ein Unternehmen braucht.