Der KfW-Unternehmerkredit: Billiges Geld vom Staat, oder warum mein erster Antrag scheiterte (und der zweite klappte)
Wenn man sich über Firmenkredite informiert, leuchten einem überall diese traumhaften Zahlen entgegen: 1,xx % Zinsen. Da steht dann fett „KfW“ drüber.
Man rechnet kurz im Kopf: „Wow, bei 50.000 Euro Kredit zahl ich ja fast gar nichts an Zinsen!“
Voller Euphorie rennt man zur Bank. Und dann kommt die kalte Dusche.
„Das lohnt sich für Sie nicht.“
„Der Prozess dauert zu lange.“
„Nehmen Sie doch lieber unseren Hauskredit (für 7 %).“
Kommt euch das bekannt vor?
Ich bin genau in diese Falle getappt. Ich dachte, die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) schickt mir einen Scheck, weil ich so ein toller Unternehmer bin.
Pustekuchen. Der Weg zum Förderkredit ist steinig, voller Papier und Missverständnisse. Aber er lohnt sich.
Hier ist mein Erfahrungsbericht, wie ich beim zweiten Anlauf an das günstige Staatsgeld gekommen bin.
Das größte Missverständnis: „Ich rufe mal bei der KfW an“
Vergesst es. Ihr könnt nicht bei der KfW anrufen und einen Kredit beantragen. Die KfW hat keine Filialen. In Deutschland gilt das Hausbankprinzip. Das heißt: Eure normale Bank (Sparkasse, Volksbank, Deutsche Bank, Commerzbank etc.) muss den Antrag für euch stellen. Sie ist der „Durchleiter“. Und hier liegt der Hund begraben: Die Bank hat die Arbeit, aber die KfW bestimmt die Regeln.
Für euren Bankberater bedeutet ein KfW-Kredit oft:
- Viel mehr Papierkram als beim eigenen Kredit.
- Weniger Marge (die Bank verdient daran weniger).
Deshalb versuchen viele Berater, euch den KfW-Kredit auszureden. Nicht weil er schlecht für euch ist, sondern weil er nervig für sie ist. Das sagt euch natürlich keiner so direkt ins Gesicht.
Mein Tutorial: So zwingt ihr das Glück (und die Bank)
Nachdem ich beim ersten Mal abgewimmelt wurde („Zu viel Aufwand für die kleine Summe“), habe ich mich für den zweiten Anlauf besser vorbereitet. Ich wollte den KfW-Unternehmerkredit (Produkt 037/047) für eine neue Produktionsanlage und etwas Betriebsmittel.
Hier ist mein Schlachtplan, der funktioniert hat:
1. Die Vorbereitung ist alles (Businessplan!)
Beim Fintech (siehe mein Artikel zu iwoca) reicht der Kontoblick. Bei der KfW sind wir wieder in den 90ern. Ihr braucht einen sauberen Businessplan.
Ich habe aufgeschrieben:
- Wofür genau brauche ich das Geld? (Investition + Betriebsmittel).
- Wie zahle ich es zurück? (Rentabilitätsvorschau).
- Was passiert, wenn der Plan schiefgeht?
Ich habe das als schickes PDF vorbereitet. Wenn ihr dem Banker Arbeit abnehmt, steigt seine Laune.
2. Das Zauberwort: „Haftungsfreistellung“
Das ist der Joker. Viele KfW-Programme bieten eine sogenannte Haftungsfreistellung. Das bedeutet: Wenn ihr pleite geht, übernimmt die KfW (also der Staat) z.B. 50 % oder 80 % des Verlustes. Die Hausbank bleibt also nicht auf dem ganzen Schaden sitzen. Ich bin ins Gespräch gegangen und habe gesagt:
„Herr Müller, ich möchte den KfW-Kredit 047 mit 50 % Haftungsfreistellung beantragen. Das minimiert Ihr Risiko doch erheblich, oder?“
Plötzlich war er ganz Ohr. Banken lieben Sicherheit. Wenn ihr ihnen erklärt, dass die KfW das Risiko mitträgt, wird der Kredit plötzlich attraktiv für die Bank.
3. Hartnäckig bleiben (aber freundlich)
Mein Berater wollte mir wieder seinen eigenen „Mittelstandskredit“ verkaufen. Ich habe freundlich abgelehnt: „Nein, ich möchte aufgrund der Zinsbindung und der tilgungsfreien Anlaufjahre explizit die KfW-Förderung.“ Apropos tilgungsfreie Anlaufjahre: Das ist das genialste Feature überhaupt.
Ihr könnt oft einstellen, dass ihr im ersten Jahr nur Zinsen zahlt und noch nicht tilgt. Das schont die Liquidität im ersten Jahr enorm, wenn die Investition erst anlaufen muss.
Wie lange dauert der Spaß?
Macht euch keine Illusionen. Vom Antrag bis zum Geld auf dem Konto vergingen bei mir 6 Wochen. Die Hausbank prüft, schickt es zur KfW, die KfW prüft, schickt es zurück… Das ist nichts für „Ich brauche morgen Geld für Ware“. Das ist strategisches Geld.
Alternative: Über Vermittler gehen
Wenn eure Hausbank komplett blockt („Machen wir nicht“), dann nutzt die Plattformen, die ich im letzten Artikel vorgestellt habe (Compeon ist hier sehr stark). Die suchen euch eine Bank, die Lust auf KfW-Geschäft hat. Es gibt nämlich Banken, die sich darauf spezialisiert haben und den Prozess automatisiert durchwinken.
Geduld zahlt sich aus
Ich zahle jetzt für diesen Kredit deutlich weniger Zinsen als für meinen normalen Kontokorrent. Über die Laufzeit von 5 Jahren spare ich mir einen Kleinwagen an Zinskosten.
Zusammenfassung für Eilige:
- KfW ist billig, aber langsam (4-8 Wochen).
- Ihr braucht eure Hausbank (oder einen Vermittler) als Partner.
- Nutzt das Argument „Haftungsfreistellung“, um die Bank zu ködern.
- Nutzt „tilgungsfreie Jahre“ für mehr Luft am Anfang.
Lasst euch nicht abwimmeln. Es ist euer Recht, diese Förderungen zu nutzen – schließlich zahlen wir ja auch genug Steuern! Viel Erfolg beim Papierkrieg!