Leasing vs. Finanzierung: Warum ich aufgehört habe, Dinge zu „besitzen“ (und mein Konto es liebt)

10. Februar 2026

Kennt ihr dieses stolze Gefühl, wenn man vor seinem neuen Firmenwagen oder der neuen CNC-Maschine steht, auf das glänzende Metall klopft und denkt: „Das gehört mir“? Ich kenne das. Ich war früher auch so ein „Besitzer“. Ich wollte alles kaufen. Bar bezahlen oder maximal über einen klassischen Kredit finanzieren. Weil: „Was mir gehört, kann mir keiner wegnehmen.“
Heute sage ich: Bullshit.
Dieses Denken hat mich in meiner Anfangszeit fast die Existenz gekostet. Warum? Weil ich mein wertvollstes Gut – meine Liquidität – in totem Metall versenkt habe.

In diesem Artikel rechne ich mal vor, warum Leasing für uns Mittelständler oft die deutlich klügere Wahl ist, auch wenn es auf den ersten Blick teurer aussieht.

Der Liquiditäts-Killer: „Barzahlung bei Abholung“

Stellt euch vor, ihr braucht einen neuen Transporter. Kostenpunkt: 40.000 Euro. Ihr habt gerade ein gutes Jahr gehabt und 50.000 Euro auf dem Geschäftskonto. Der alte Alex hätte gesagt: „Super, ich zahl den bar. Dann kriege ich noch 3 % Skonto und habe keine Schulden.“

Der Fehler:
Der Transporter ist bezahlt. Das Konto ist aber jetzt leer (noch 10.000 Euro Rest). Zwei Wochen später geht eine wichtige Maschine kaputt oder ein Kunde zahlt nicht. Ihr braucht dringend 20.000 Euro. Was macht ihr? Ihr geht zur Bank. Die sagt: „Nö, Konto ist leer, Rating ist schlecht.“ Da steht ihr dann mit eurem bezahlten Transporter. Aber von einem Transporter kann man keine Gehälter zahlen.

Das Prinzip: „Pay as you earn“

Das ist der wichtigste Satz, den ich im BWL-Grundkurs gelernt habe (und erst Jahre später kapiert habe):
Nutze das Objekt, während es Geld verdient. Wenn ich den Transporter lease, zahle ich vielleicht 500 Euro im Monat. Der Transporter fährt aber Aufträge aus, die mir 2.000 Euro Umsatz im Monat bringen. Er finanziert sich also selbst aus dem laufenden Betrieb. Meine 40.000 Euro Cash bleiben auf dem Konto. Sie sind mein Puffer für Krisen, für Wareneinkauf oder für Marketing.

Merkt euch: Liquidität geht vor Rentabilität. Es bringt nichts, 3 % Skonto zu sparen, wenn man dafür handlungsunfähig wird.

Steuern: Der nette Nebeneffekt

Ich bin kein Steuerberater (bitte fragt den!), aber hier ist die Praxis-Erfahrung:
Wenn ich den Transporter kaufe, muss ich ihn über 6 Jahre abschreiben (AfA). Das heißt, ich kann pro Jahr nur einen kleinen Teil der Kosten steuerlich geltend machen. Das Geld (40.000 €) ist aber jetzt weg. Beim Leasing sind die monatlichen Raten (meistens) sofort voll als Betriebsausgabe absetzbar.

Das drückt meinen Gewinn jetzt und damit auch meine Steuerlast jetzt. Genau dann, wenn das Geld abfließt. Das passt einfach besser zusammen.

Wann Leasing nervt (Die Nachteile)

Ich will Leasing nicht heiligsprechen. Es gibt Haken:

  1. Du bist gefangen: Ein Leasingvertrag läuft meist 36 oder 48 Monate. Du kommst da nicht raus. Wenn du den Transporter nach einem Jahr nicht mehr brauchst? Pech gehabt. Du zahlst weiter.
  2. Die Rückgabe-Falle: Am Ende der Laufzeit schauen die Leasinggeber sehr genau hin. Jeder Kratzer wird berechnet. Das ist oft der Moment, wo es teuer wird.
  3. Gesamtkosten: Ja, wenn man alles zusammenrechnet (Raten + Anzahlung + Restwert), zahlt man oft mehr als beim Barkauf. Das ist der Preis für die Liquidität.

Meine Faustformel: Was kaufe ich, was lease ich?

Ich habe mir eine strikte Regel auferlegt:

  • Dinge, die an Wert verlieren (Autos, IT, Handys, Standard-Maschinen): LEASING.Warum soll ich Geld in etwas binden, das in 3 Jahren nur noch die Hälfte wert ist? Das soll die Leasinggesellschaft finanzieren.
  • Dinge, die an Wert gewinnen oder ewig halten (Immobilien, Grundstücke, spezielle Lizenzen): KAUF / FINANZIERUNG.Hier will ich Eigentümer sein, weil das Asset in meiner Bilanz gut aussieht.

Leasing vs. Mietkauf: Der feine Unterschied

Oft bieten Banken auch Mietkauf an. Das klingt ähnlich, ist aber anders. Beim Mietkauf gehört das Objekt wirtschaftlich sofort dir (du musst es in deine Bilanz aufnehmen). Du stotterst es nur ab. Beim Leasing gehört es der Leasingfirma. Deine Bilanz bleibt schlank. Das nennt man „bilanzneutral“. Das sieht für Banken oft besser aus, weil deine Eigenkapitalquote nicht sinkt.

Besitz belastet

Wir Unternehmer müssen umdenken. Es geht nicht darum, den größten Maschinenpark zu besitzen. Es geht darum, ihn zu nutzen, um Gewinn zu machen. Seit ich meine IT und meinen Fuhrpark komplett geleast habe, schlafe ich ruhiger. Mein Kontokorrent ist selten im Minus, weil ich die großen Brocken nicht mehr auf einen Schlag bezahlen muss.
Checkt mal Vergleichsportale (auch hier sind Compeon oder FinCompare stark), bevor ihr das nächste Mal „Kaufen“ klickt. Die Leasingrate tut weniger weh als das leere Konto