„Out of Stock“ ist der Tod: Wie Online-Händler ihr Warenlager finanzieren, ohne Firmenanteile abzugeben

22. Januar 2026

Moin E-Commerce-Rocker, Alex hier! Heute muss ich mal speziell zu den Online-Händlern unter euch sprechen. Egal ob ihr auf Amazon FBA verkauft, einen eigenen Shopify-Store habt oder über eBay handelt. Ihr kennt diesen einen Albtraum, der schlimmer ist als eine 1-Sterne-Bewertung:

„Derzeit nicht verfügbar.“

Nichts, aber auch gar nichts, vernichtet euer Business schneller als ein leeres Lager. Euer Ranking schmiert ab, die Kunden kaufen bei der Konkurrenz (und bleiben dort) und der Algorithmus straft euch ab. Das Ironische daran ist ja: Meistens seid ihr „Out of Stock“, weil euer Produkt zu gut läuft. Ihr verkauft euch dumm und dämlich, aber das Geld von Amazon oder Stripe kommt erst in 14 Tagen, und der Lieferant in China will Vorkasse für die nächste Charge sehen.
Das ist die klassische Wachstumsfalle im E-Commerce. Und genau hier wird das Thema Warenfinanzierung zum absoluten Gamechanger.

Warum die Hausbank deinen Online-Shop oft nicht kapiert

Ich habe das oft gehört: Du gehst zur Bank, zeigst stolz deine Umsatzzahlen aus dem Seller Central. Der Bankberater schaut sich das an und fragt: „Und wo sind die Maschinen? Wo ist das Immobilienvermögen?“

Für viele traditionelle Banken ist ein Warenlager voller Handyhüllen oder Bio-Suppen keine „Sicherheit“. Sie bewerten das Lager oft mit 0 Euro, weil sie Angst haben, es im Zweifel nicht verwerten zu können.

Das Ergebnis: Kein Kredit. Oder nur lächerlich kleine Summen.

Dabei braucht ihr genau jetzt Cash, um für das Weihnachtsgeschäft (Q4) oder den Prime Day einzukaufen. Wer im Sommer nicht bestellt, hat im Winter nichts zu verkaufen.

Die Lösung: Umsatzbasierte Finanzierung (Revenue-Based Financing)

Zum Glück hat sich der Markt gedreht. Es gibt mittlerweile Anbieter, die sich auf E-Commerce Kredite spezialisiert haben. Die interessieren sich nicht für die Grundschuld auf dem Haus deiner Oma.

Die wollen nur eines sehen: Deine Verkaufsdaten.

Du verknüpfst deinen Shop-Account (oder Amazon-Account) mit deren System. Die Analyse-Tools checken:

  • Wie stabil sind deine Umsätze?
  • Wie hoch ist die Retourenquote?
  • Wie wächst du?

Basierend darauf bekommst du ein Angebot. Das Geld ist rein für den Wareneinkauf (manchmal auch für Marketing/Ads) gedacht.

Das Geniale dabei ist oft die Rückzahlung: Statt einer starren Rate zahlst du oft einen Prozentsatz deines Umsatzes zurück. Verkaufst du viel, zahlst du schneller zurück. Hast du einen flauen Monat, zahlst du weniger. Das atmet quasi mit deinem Business mit.

Rechenbeispiel: Warum sich der Kredit lohnt

„Aber Alex, die Zinsen sind doch sicher hoch!“

Ja, sie sind höher als beim Baukredit. Aber schauen wir mal auf die Opportunitätskosten.

Stell dir vor, du willst Ware für 50.000 € bestellen für das Weihnachtsgeschäft.

Szenario A (Ohne Kredit):

Du hast nur 10.000 € Cash. Du bestellst wenig. Dein Lager ist am 5. Dezember leer. Du verpasst den ganzen Umsatz bis Weihnachten. Verlust an potenziellem Gewinn: Riesig.

Szenario B (Mit Warenfinanzierung):

Du nimmst 40.000 € auf. Sagen wir, das kostet dich gebührenmäßig 2.000 € (was schon viel wäre für kurze Zeit).

Aber:

  1. Du kannst durch die größere Menge beim Lieferanten vielleicht den Stückpreis drücken (Mengenrabatt).
  2. Du bist bis Januar lieferfähig.
  3. Du machst mit der Ware einen Umsatz von 150.000 € und einen Gewinn von 40.000 €.

Da fallen die 2.000 € Finanzierungskosten doch gar nicht mehr ins Gewicht, oder? Du hast Gewinn gemacht, den du ohne das Geld nie gemacht hättest.

Das ist der Unterschied zwischen „Kosten sparen“ und „Wachstum finanzieren“.

Ein kleiner Tipp am Rande

Achtet darauf, dass ihr diese Finanzierungen wirklich nur für das Umlaufvermögen (Ware/Ads) nutzt. Kauft euch davon keinen neuen Bürostuhl und fahrt damit nicht in den Urlaub. Das Geld muss arbeiten und sich schnell drehen. Ich sehe immer mehr Shops, die durch solche Betriebsmittelkredite von 5-stelligen auf 7-stellige Jahresumsätze skalieren, einfach weil sie endlich genug Ware da haben, wenn die Kunden kaufen wollen. Seid ihr bereit für Q4? Oder zittert ihr noch, ob die Kohle für die Bestellung reicht? Schaut euch die Alternativen zur Hausbank an. Es lohnt sich.

Bis zum nächsten Mal