Schufa & Creditreform: Der unsichtbare Endgegner bei jedem Kreditantrag (und wie du ihn besiegst)

22. Dezember 2025

Wisst ihr, was das Frustrierendste an einer Kreditabsage ist? Es ist meistens nicht das „Nein“. Es ist das Schweigen danach.
Die Bank sagt oft nur: „Aufgrund interner Richtlinien…“ oder „Ihre Bonität entspricht nicht unseren Anforderungen.“
Ich stand mal da, Umsatz top, Auftragsbücher voll, und wollte einen simplen Kontokorrentrahmen erhöhen.
Antwort: Abgelehnt.
Ich dachte, ich bin im falschen Film. Ich zahle meine Rechnungen pünktlich!

Erst Monate später habe ich herausgefunden, woran es lag: Ein uralter, falscher Eintrag in meiner Creditreform-Akte und ein veralteter Branchenschlüssel. Ein Algorithmus dachte, ich sei in der „Gastronomie“ (Risikobranche) statt im „E-Commerce“.
Heute zeige ich euch, wie ihr diese unsichtbaren Endgegner – die Auskunfteien – durchleuchtet und wie ich meinen Score aktiv verbessert habe, um endlich günstige Zinsen zu bekommen.

Schufa vs. Creditreform: Kenn den Unterschied!

Viele werfen das in einen Topf. Aber für uns Unternehmer ist die Unterscheidung überlebenswichtig.

  1. Die Schufa: Die kennt jeder. Die speichert Daten über Dich als Privatperson. Hast du deinen Handyvertrag bezahlt? Wie viele Girokonten hast du? Als Einzelunternehmer oder Freiberufler ist die Schufa extrem wichtig, weil Du die Firma bist.
  2. Die Creditreform (Crefo): Das ist der dicke Fisch für GmbHs und UGs. Aber auch für Einzelunternehmer. Die Crefo bewertet B2B-Beziehungen. Wenn du Ware auf Rechnung kaufst, prüft der Lieferant meistens deine Crefo. Und Banken schauen hier noch genauer hin als bei der Schufa.

Mein Tutorial: So säuberst du deine Akte (Schritt für Schritt)

Glaubt nicht, dass die Daten dort stimmen. Fehlerquoten bei Auskunfteien sind erschreckend hoch. Hier ist mein „Frühjahrsputz-Plan“ für die Bonität.

Schritt 1: Die kostenlose Datenkopie (DSGVO sei Dank)

Ihr müsst kein teures Abo abschließen, um zu wissen, was über euch gespeichert ist.

Nach Artikel 15 DSGVO müssen euch Schufa und Creditreform (und auch andere wie CrifBürgel) einmal im Jahr kostenlos sagen, was sie über euch wissen.

  • Bei der Schufa: Sucht nach „Datenkopie nach Art. 15 DSGVO“. Die verstecken den Link oft ganz unten auf der Seite, weil sie euch lieber das Bezahl-Abo verkaufen wollen.
  • Bei der Creditreform: Schreibt eine E-Mail an die lokale zuständige Creditreform oder nutzt deren Online-Formular für Selbstauskunft.

Ich mache das jetzt jedes Jahr im Januar fest im Kalender.

Schritt 2: Fehler gnadenlos löschen lassen

Als meine Schufa-Auskunft kam, fiel ich fast vom Stuhl. Da stand eine Forderung von einem Telefonanbieter drin. 45 Euro. Von vor 3 Jahren.Die hatte ich längst bezahlt! Aber der Anbieter hatte vergessen, der Schufa zu melden: „Hey, Alex hat bezahlt, erledigt.“Dieser kleine Eintrag hat meinen Score (Basisscore) unter 95% gedrückt. Und unter 95% bist du für viele Banken schon „Mittelmaß“.
Ich habe sofort den Beleg rausgesucht, an die Schufa geschickt und um Löschung gebeten.

Ergebnis: 4 Wochen später war der Score wieder auf 98%.
Schritt 3: Der Creditreform-Hack (Redet mit denen!)
Bei der Creditreform gibt es den sogenannten Bonitätsindex.
Der geht von 100 bis 600.

Achtung: Anders als in der Schule ist hier 100 das Beste (Note 1) und 600 bedeutet quasi Insolvenz.
Ein guter Wert für Kredite liegt zwischen 100 und 249. Sobald ihr über 250 rutscht, wird die Luft dünn. Die Zinsen steigen oder es gibt gar kein Geld mehr.

Mein Pro-Tipp:
Die Creditreform schätzt oft eure Zahlen, wenn ihr nichts veröffentlicht (besonders als Einzelunternehmer). Und sie schätzen konservativ (also schlecht).Ich habe proaktiv einen Termin bei meiner lokalen Creditreform gemacht.Ich habe dem Analysten meine aktuelle BWA gezeigt und gesagt: „Schaut her, ich mache Gewinn, mein Eigenkapital ist positiv.“ Was viele nicht wissen: Man kann seine Bilanz oder BWA dort freiwillig einreichen.

Das hat meinen Index innerhalb von einer Woche von 290 (Mäßige Bonität) auf 210 (Gute Bonität) katapultiert.

Vorsicht vor der „Kreditanfragen-Falle“

Das ist der Fehler, den fast alle Anfänger machen.

Du brauchst Geld. Du fragst bei Bank A an. Dann bei Bank B. Dann bei Bank C.

Jede Bank stellt eine Anfrage an die Schufa: „Konditionenanfrage Kredit“.

Wenn das falsch gemeldet wird als „Kreditanfrage“ (ohne „Konditionen“), denkt der Algorithmus:

Oha, der Alex fragt bei 5 Banken nach Geld. Alle lehnen ab (weil noch kein Kredit zustande kam). Der muss ja pleite sein.

Dein Score rauscht in den Keller.

Lösung: Sagt dem Berater oder dem Online-Portal IMMER ausdrücklich: „Bitte stellen Sie nur eine Konditionenanfrage, keine Kreditanfrage, um meine Schufa nicht zu belasten.“

Vergleichsportale und gute Fintechs machen das mittlerweile automatisch richtig (schufa-neutral), aber bei der kleinen Volksbank um die Ecke wäre ich vorsichtig.

Bonität ist Hygiene

Kümmert euch um Schufa und Crefo, bevor ihr das Geld braucht.
Wenn die Hütte brennt und ihr schnell 50.000 Euro Betriebsmittelkredit braucht, ist es zu spät, um falsche Einträge korrigieren zu lassen. Das dauert Wochen.
Ein sauberer Score ist wie ein gewaschenes Hemd beim Vorstellungsgespräch. Er garantiert dir nicht den Job (Kredit), aber mit einem dreckigen Hemd wirst du garnicht erst reingelassen.