Was mir mein Steuerberater über Liquidität beigebracht hat – ein Gespräch, das hängen blieb

27. Januar 2026

„Du hast kein Gewinnproblem, Alex – du hast ein Liquiditätsproblem“

Ich saß wie so oft im Büro meines Steuerberaters.
Ordner auf dem Tisch, Zahlen an der Wand, Kaffee schon kalt. Er schaute auf den Bildschirm, dann auf mich und sagte diesen einen Satz, der mir bis heute im Kopf geblieben ist:
„Du hast kein Gewinnproblem. Du hast ein Liquiditätsproblem.“


Ich: „Aber die Zahlen sind doch gut?“

Ich zeigte auf die Auswertung.
Umsatz okay. Ergebnis positiv. Entwicklung solide.

Er nickte.
Und sagte nur:
„Ja. Auf dem Papier.“

Dann drehte er den Bildschirm zu mir.


Er: „Zeig mir nicht den Gewinn. Zeig mir den Zeitpunkt.“

Er fragte nicht, wie viel ich verdiene.
Er fragte, wann das Geld kommt.

Wann zahlst du deine Lieferanten?
Wann kommen die Kundenzahlungen?
Wann gehen Steuern raus?

Ich fing an zu rechnen.
Und merkte, wie still es im Raum wurde.


Der unangenehme Moment

Plötzlich war klar:
Ich finanzierte mein Unternehmen mehrere Wochen vor.
Nicht bewusst.
Nicht geplant.
Einfach, weil es „immer so war“.

Er lehnte sich zurück und sagte:
„Das ist kein Fehler. Aber es ist gefährlich, wenn man es ignoriert.“


Ich: „Und was mache ich jetzt?“

Ich erwartete irgendeine komplizierte Lösung.
Kennzahlen, Excel-Modelle, theoretische Konzepte.

Stattdessen sagte er:
„Du brauchst keinen Sparkurs. Du brauchst Zeit.“

Zeit zwischen Ausgabe und Einnahme.
Zeit, um ruhig entscheiden zu können.
Zeit, um nicht jeden Zahlungseingang anzustarren.


Seine Lösung war überraschend simpel

Er empfahl mir keinen Verzicht.
Er empfahl mir einen Betriebsmittelkredit.

Nicht, weil es schlecht lief.
Sondern weil es lief – aber zeitversetzt.

„Liquidität ist kein Luxus“, sagte er.
„Sie ist die Voraussetzung dafür, dass gute Zahlen auch gut bleiben.“


Mein Umdenken

Seit diesem Gespräch sehe ich meine Zahlen anders.
Ich frage nicht mehr zuerst:
„Wie hoch ist der Gewinn?“

Ich frage:
„Wie lange ist mein Geld unterwegs?“

Und genau dort entscheide ich heute über Kredite, Rücklagen und Zahlungsziele.

Nicht aus Angst.
Sondern aus Kontrolle.


Dieses Gespräch hat mir mehr gebracht als viele Bücher.
Weil es mir gezeigt hat, dass Liquidität kein Zeichen von Schwäche ist,
sondern von Reife.
Ein Betriebsmittelkredit ist für mich seitdem kein Notfallknopf mehr.
Er ist Teil meines Systems.
Und jedes Mal, wenn ich heute ruhig schlafen kann, weiß ich:
Der Kaffee beim Steuerberater war es wert.