Rote Karte von der Bank? Woran dein Betriebsmittelkredit meistens scheitert (und wie du deine Bonität aufpolierst)
Hand aufs Herz: Wer von euch hat schon mal eine Ablehnung für einen Kredit bekommen? Ich sehe förmlich, wie ein paar Hände hochgehen. Ich hebe meine auch.
Es gibt wenig, das sich so mies anfühlt. Man ist stolz auf seinen Laden, man ackert 60 Stunden die Woche, und dann sagt irgendein Typ im Anzug (oder ein Computerprogramm): „Nee, Sie nicht. Zu riskant.“
Das kratzt am Ego. Aber meistens liegt es gar nicht daran, dass euer Business schlecht ist. Es liegt daran, dass ihr die Sprache der Banken nicht sprecht – oder eure „Visitenkarte“ bei den Auskunfteien fleckig ist.
Heute schauen wir uns mal an, warum Betriebsmittelkredite abgelehnt werden und an welchen Stellschrauben ihr drehen müsst, damit beim nächsten Mal ein „Ja“ dabei rauskommt.
Der unsichtbare Feind: Creditreform & Co.
Viele Unternehmer unterschätzen völlig, welche Macht die Wirtschaftsauskunfteien haben. Bevor auch nur ein Mensch eure Kreditanfrage liest, hat oft schon ein Algorithmus entschieden.
Die Bank fragt bei der Creditreform (oder Crifbürgel, Schufa etc.) euren Bonitätsindex ab.
Dieser Index ist wie eine Schulnote. Bei der Creditreform gilt zum Beispiel:
- 100-149: Ausgezeichnet (Der Streber in der ersten Reihe)
- 200-249: Mittelmäßig (Versetzung gefährdet?)
- Ab 300: Ganz schwierig. Hier wird fast automatisch abgelehnt.
Das Verrückte ist: Oft stehen da veraltete oder sogar falsche Daten drin! Ich hatte mal den Fall, dass eine längst bezahlte Rechnung noch als „offen“ markiert war, weil der Inkasso-Dienstleister vergessen hatte, das Update zu schicken.
Ergebnis: Mein Score war im Keller. Kredit abgelehnt.
Mein Tipp: Holt euch einmal im Jahr eine Selbstauskunft. Prüft die Daten. Wenn was falsch ist, lasst es korrigieren. Das ist euer gutes Recht und bares Geld wert.
Deine BWA ist nicht nur für das Finanzamt
Der zweite große Punkt ist die BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung). Viele von uns schauen die nur an, nicken kurz und heften sie ab. Hauptsache der Steuerberater ist zufrieden.
Für den Kreditgeber ist die BWA aber der heilige Gral. Aber Vorsicht: Eine BWA vom letzten Dezember hilft dir im Juli herzlich wenig. Wenn ihr einen Betriebsmittelkredit wollt, braucht ihr aktuelle Zahlen.
Wenn ihr mit einer BWA um die Ecke kommt, die 6 Monate alt ist, signalisiert ihr der Bank zwei Dinge:
- Ihr habt eure Zahlen nicht im Griff.
- Es könnte sein, dass es aktuell schlecht läuft und ihr das vertuschen wollt.
Achtet auch auf die Eigenkapitalquote. Wenn die zu niedrig ist, wird die Bank nervös. Manchmal hilft es schon, private Einlagen nicht als Darlehen, sondern als Kapitalrücklage zu verbuchen (sprecht da mal mit eurem Steuerberater drüber!), um die Bilanz optisch aufzuhübschen.
Kontoüberziehungen: Das rote Tuch
Das hier ist ein Klassiker, den ich immer wieder sehe.
Man braucht Geld, also überzieht man das Geschäftskonto „geduldet“ über das Limit hinaus. „Nur für ein paar Tage“, denkt man.
Für die Bank ist das aber ein massives Warnsignal. Wer sein Konto ungenehmigt überzieht, gilt als unzuverlässig und zeigt, dass er seine Liquidität nicht planen kann.
Bevor ihr einen Kredit beantragt, sorgt dafür, dass das Konto sauber aussieht. Keine Rücklastschriften mangels Deckung! Das ist der absolute Kredittod.
Wie du dich „hübsch“ machst für den Kredit
Also, was tun? Hier ist mein Schlachtplan für eine bessere Bonität:
- Daten bereinigen: Checkt Creditreform und Co. Lasst falsche Negativmerkmale löschen.
- Kommunikation: Wenn ihr wisst, dass es eng wird, redet vorher mit der Bank. Nicht erst, wenn die Lastschrift geplatzt ist.
- Rechnungen pünktlich zahlen: Es klingt banal, aber das Zahlungsverhalten fließt in eure Bewertung ein.
- Gewinne stehen lassen: Wenn möglich, nehmt nicht jeden Euro Gewinn sofort privat raus (Thesaureirung). Das stärkt das Eigenkapital und zeigt der Bank, dass ihr an die Firma glaubt.
Ein Betriebsmittelkredit ist Vertrauenssache. Und Vertrauen muss man sich erarbeiten – oder zumindest durch saubere Zahlen belegen können.
Habt ihr eure Creditreform-Auskunft schon mal geprüft? Manchmal erlebt man da echt blaue Wunder…