Der Liquiditätszyklus im Unternehmen – was wirklich passiert, wenn Geld kommt und geht
Viele Unternehmer wissen grob, dass Liquidität wichtig ist.
Aber nur wenige verstehen wirklich, wie sie sich im Unternehmen bewegt.
Und genau da entstehen die meisten Probleme.
Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass Liquidität kein Zustand ist, sondern ein Kreislauf.
Wer diesen Kreislauf versteht, hat deutlich weniger Stress – selbst mit Krediten.
Schritt 1: Geld verlässt das Unternehmen
Der Liquiditätszyklus beginnt fast immer mit einer Ausgabe.
Materialeinkauf, Gehälter, Miete, Steuern, Versicherungen. Das Entscheidende dabei:
Das Geld geht raus, bevor es wieder reinkommt. Gerade hier unterschätzen viele Unternehmer die Zeitverzögerung.
Kosten sind sofort fällig – Einnahmen oft nicht.
Schritt 2: Leistung wird erbracht
Nach der Ausgabe kommt die Arbeit.
Produkte werden hergestellt, Dienstleistungen erbracht, Projekte umgesetzt.
In dieser Phase wirkt alles produktiv, aber liquiditätsmäßig passiert: nichts.
Kein Geldzufluss.
Nur gebundene Ressourcen.
Das Unternehmen arbeitet – das Konto nicht.
Schritt 3: Rechnung wird gestellt
Jetzt kommt der Moment, den viele mit Zahlungseingang verwechseln.
Aber: Eine Rechnung ist kein Geld.
Sie ist nur ein Versprechen.
Und dieses Versprechen kann 14, 30 oder 60 Tage dauern.
Der Liquiditätszyklus hängt hier oft fest.
Schritt 4: Zahlungseingang
Erst jetzt schließt sich der Kreis.
Das Geld kommt zurück ins Unternehmen.
Aber:
Oft ist es zu spät für die ursprünglichen Ausgaben.
Deshalb entsteht die Lücke – und genau hier kommt der Betriebsmittelkredit ins Spiel.
Warum Betriebsmittelkredite logisch sind
Ein Betriebsmittelkredit greift zwischen Schritt 1 und Schritt 4 ein.
Er überbrückt den Zeitraum, in dem das Unternehmen arbeitet, aber noch kein Geld zurückbekommen hat.
Nicht, weil etwas schief läuft.
Sondern weil der Zyklus so funktioniert.
Wer das verstanden hat, sieht Kredite nicht mehr als Notlösung, sondern als temporäre Synchronisation von Zeit und Geld.
Mein wichtigstes Learning
Ich plane heute Liquidität zyklisch, nicht monatsweise.
Ich schaue nicht nur auf Umsätze, sondern auf Zeiträume:
- Wann geht Geld raus?
- Wann kommt es realistisch wieder rein?
- Wie groß ist die Lücke dazwischen?
Erst dann entscheide ich, ob ein Betriebsmittelkredit sinnvoll ist – und wie hoch er sein muss.
Liquidität ist kein Rätsel.
Sie folgt einem klaren Ablauf.
Wer diesen Zyklus versteht,
- kalkuliert besser
- finanziert ruhiger
- und gerät seltener unter Druck
Ein Betriebsmittelkredit ist kein Zeichen von Schwäche –
sondern oft einfach die logische Antwort auf einen zeitversetzten Geldkreislauf.