Finanzierung in der Logistikbranche – stabile Umsätze, knappe Luft – Das musst du wissen!
1. Branchenüberblick
Die deutsche Logistikbranche zählt zu den größten Wirtschaftszweigen Europas.
Allein im Bereich Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP) sind über 260.000 Unternehmen aktiv – vom Einzelfahrer bis zum mittelständischen Flottenbetreiber.
Charakteristische Merkmale:
- kontinuierliche Nachfrage
- hohe Fixkosten
- niedrige Margen
- starker Wettbewerbsdruck
- zunehmende Regulierung (Maut, CO₂, Mindestlohn)
Aus Banksicht gilt die Branche als umsatzstabil, aber ertragsanfällig.
2. Einnahmenstruktur
| Einnahmequelle | Planbarkeit | Kommentar |
|---|---|---|
| Vertragslogistik | hoch | feste Rahmenverträge |
| Subunternehmerverträge | hoch | geringe Marge |
| Einzelaufträge | mittel | volatil |
| Plattformaufträge | mittel | preissensibel |
Viele Betriebe arbeiten mit festen Tagessätzen oder Kilometerpauschalen.
Das reduziert das Absatzrisiko – begrenzt aber den Ertragsspielraum.
3. Kostenstruktur (bankrelevant)
Fixkosten:
- Fahrzeuge & Leasingraten
- Versicherungen
- Personal / Fahrer
- Maut & Kraftstoff
- Werkstatt & Wartung
Variable Kosten:
- Reparaturen
- Ersatzfahrzeuge
- Überstunden / Zeitarbeit
➡️ Schon kleine Kostensteigerungen wirken sich stark auf den Gewinn aus.
4. Typischer Finanzierungsbedarf
| Anlass | Betrag |
|---|---|
| Fahrzeuganschaffung | 25.000–80.000 € pro Fahrzeug |
| Flottenerweiterung | 100.000–500.000 € |
| Betriebsmittel | 20.000–150.000 € |
| Umstellung E-Mobilität | 40.000–120.000 € |
| Übernahme kleiner Betriebe | 150.000–600.000 € |
Die Finanzierung dient selten dem Wachstum, sondern meist der Betriebsfähigkeit.
5. Kreditwürdigkeit aus Banksicht
Positive Faktoren:
- laufende Verträge
- regelmäßige Zahlungseingänge
- Fahrzeuge als Sicherheiten
- klare Kostenstruktur
Negative Faktoren:
- niedrige Eigenkapitalquote
- hohe Abhängigkeit von wenigen Auftraggebern
- Preisdruck durch Großkunden
- steigende regulatorische Kosten
➡️ Entscheidend ist nicht der Umsatz, sondern der Cashflow nach Fixkosten.
6. Geeignete Finanzierungsinstrumente
Leasing (zentrale Rolle)
- Standardlösung für Fahrzeuge
- schont Liquidität
- planbare Raten
- hohe Akzeptanz bei Banken
Betriebsmittelkredit
- zur Vorfinanzierung von Diesel, Löhnen, Maut
- Laufzeiten meist kurz (12–36 Monate)
Investitionskredit
- für Hallen, Technik, größere Flotten
- nur bei stabiler Eigenkapitalbasis
Förderkredite
- relevant bei E-Mobilität und Effizienz
- häufig in Kombination mit Programmen der
KfW
7. Anbieterpräferenz (typisch)
| Banktyp | Einschätzung |
|---|---|
| Sparkassen / Volksbanken | sehr geeignet (Regionalität, Praxisnähe) |
| Geschäftsbanken | selektiv |
| Leasinggesellschaften | essenziell |
| Online-Finanzierer | nur kleinere Betriebsmittel |
| Förderbanken | themenspezifisch (E-Mobilität) |
Viele Logistiker arbeiten bewusst mit zwei Partnern:
Hausbank für Liquidität – Leasingpartner für Fahrzeuge.
8. Häufige Ablehnungsgründe
- zu geringe Marge trotz hohem Umsatz
- fehlende Rücklagen für Reparaturen
- starke Abhängigkeit von einem Auftraggeber
- private Entnahmen zu hoch
- keine Transparenz über Fahrzeugkosten
Banken finanzieren Logistik nicht auf Hoffnung, sondern auf Kostenkontrolle.
9. Zukunftsrelevante Faktoren
Die Kreditwürdigkeit der Branche wird künftig stark beeinflusst durch:
- Umstellung auf E-Fahrzeuge
- steigende Lohnkosten
- strengere Emissionsvorgaben
- Digitalisierung von Touren & Abrechnung
Betriebe mit moderner Flotte, klarer Kalkulation und mehreren Auftraggebern erhalten deutlich bessere Konditionen.
Logistikunternehmen sind keine Hochrisikokunden – aber auch keine Selbstläufer.
Die Finanzierung steht und fällt mit Kostenkontrolle, Vertragsstruktur und Liquiditätsplanung.
Fazit:
Wer seine Zahlen im Griff hat und Finanzierung modular aufbaut, bleibt auch in einer margenschwachen Branche kreditfähig.
Nicht Größe entscheidet – sondern Struktur