Lagerwert ist kein Zahlungseingang: So würde ich Bestände vor dem Betriebsmittelkredit sortieren
Ein hoher Lagerwert kann im Gespräch über einen Betriebsmittelkredit beeindruckend aussehen. Für die nächste Lieferantenrechnung brauche ich allerdings Geld auf dem Konto. Ich würde deshalb vor einem Finanzierungsantrag nicht nur den Gesamtbestand ausdrucken. Ich möchte erklären können, welche Ware voraussichtlich wann verkauft wird und wann aus diesem Verkauf tatsächlich eine Einzahlung entsteht.
Das ist ein anderer Blick als die bloße Frage, wie viele Artikel im Regal liegen. Ein Lager kann Kapital binden, obwohl es auf der Bestandsliste gut gefüllt aussieht. Meine Vorbereitung würde deshalb Warenstatus, Absatzannahme und Zahlungsablauf getrennt darstellen. Daraus entsteht noch keine Kreditzusage, aber eine wesentlich klarere Grundlage für das Gespräch.
Eine Gesamtsumme braucht nachvollziehbare Bestandteile
Ich würde zunächst festhalten, auf welchen Stichtag sich die Liste bezieht und nach welcher Grundlage die Werte angegeben sind. Einkaufspreise und erwartete Verkaufspreise würde ich nicht unkommentiert zusammenwerfen. Für die fachlich richtige Bestandsbewertung ist die Buchhaltung zuständig. Meine Liquiditätsplanung soll vor allem sichtbar machen, welche Einzahlungen realistisch zu erwarten sind.
Danach ordne ich die Artikelgruppen nach ihrem tatsächlichen Status: regulär verkäuflich, einem Auftrag zugeordnet, noch zu prüfen oder seit längerer Zeit ohne nennenswerte Bewegung. Die Bezeichnungen müssen zum eigenen Geschäft passen. Ich würde nicht automatisch jeder langsamen Position einen festen Abschlag geben und daraus eine angeblich bankübliche Sicherheitsbewertung machen.
Reserviert heißt für mich noch nicht bezahlt
Ist Ware für einen Kunden vorgesehen, prüfe ich die zugehörige Auftrags- und Zahlungssituation. Eine interne Reservierung allein ist kein Kontoguthaben. Entscheidend bleibt, welche Lieferung vereinbart ist, wann abgerechnet werden kann und welches Zahlungsziel gilt. Bereits erhaltene Zahlungen würde ich gesondert erfassen, damit sie nicht als künftiger Eingang doppelt eingeplant werden.
Langsame Ware bekommt eine eigene Planung
Bei Artikeln mit geringer Bewegung würde ich nach dem Grund fragen. Handelt es sich um saisonale Vorräte, eine bewusst gehaltene Ergänzung oder tatsächlich schwer verkäufliche Ware? Ohne diese Unterscheidung kann ein Durchschnittswert die problematischen Positionen verdecken. Eine attraktive Gruppe gleicht eine andere in der Summe optisch aus, ohne deren Geldbindung aufzulösen.
Für solche Positionen würde ich konkrete Maßnahmen notieren: Absatzannahme überprüfen, einen möglichen Verkaufspreis neu kalkulieren oder weitere Bestellungen vorerst hinterfragen. Dabei würde ich nicht behaupten, ein schneller Abverkauf sei immer die wirtschaftlich beste Lösung. Ein niedrigerer Erlös und zusätzliche Verkaufsaufwendungen können die Rechnung verändern. Ich möchte die Folgen sehen, bevor ich sie im Kreditplan voraussetze.
Ein fiktiver Bestand zeigt den Unterschied
Angenommen, ein Lager enthält Waren mit einem zusammengefassten internen Wert von 30.000 Euro. Für einen Teil bestehen Aufträge, ein anderer Teil ist frei verkäuflich und ein Rest benötigt erst eine Zustandsprüfung. Diese erfundenen Angaben erlauben keine Aussage, dass kurzfristig 30.000 Euro eingehen. Ich müsste die erwarteten Verkäufe und ihre tatsächlichen Zahlungstermine einzeln herleiten.
Vom Warenplan zum Finanzierungsbedarf
Den erwarteten Eingängen stelle ich die fälligen Auszahlungen gegenüber. Dazu zählen auch noch unbezahlte Lieferantenrechnungen für bereits vorhandene Ware. Wenn ich die Ware auf der Eingangsseite berücksichtige, ihre bevorstehende Bezahlung aber vergesse, entsteht ein zu günstiges Bild. Mein Arbeitsblatt würde deshalb Einkauf, Bestand, Verkauf und Zahlung miteinander verbinden.
Zusätzlich rechne ich einen langsameren Absatzverlauf. Dann sehe ich, wie lange das Kapital gebunden bleibt und welche Lücke sich gegenüber dem normalen Plan vergrößert. Eine größere Kreditlinie allein verbessert den Lagerumschlag nicht. Ich würde die Finanzierung und die Ursachen der Bindung deshalb gemeinsam besprechen.
Wenn du einen Betriebsmittelkredit für dein Warenlager vorbereitest, beginne mit einer aktuellen Liste und einer realistischen Absatzannahme je wichtiger Artikelgruppe. Frage den Kreditgeber, welche Unterlagen und gegebenenfalls welche Sicherheitenprüfung er konkret benötigt. Aus dem Lagerwert würde ich keinen automatisch verfügbaren Kreditbetrag ableiten. Für meine Planung zählt der nachvollziehbare Weg von der Ware bis zum bezahlten Verkauf.