Jahresinventur 2026: So trenne ich Lagerwert und verfügbares Kreditpolster

31. Oktober 2026

Zum Jahresende schaue ich auf den Lagerbestand und auf den Kontostand – aber ich setze beides nicht gleich. Eine Inventurliste kann Waren zeigen, die bereits bezahlt, noch offen oder nur schwer verkäuflich sind. Für die Liquiditätsplanung zählt deshalb nicht nur, welcher Wert im Bestand steht, sondern auch, wann daraus tatsächlich Geld wird und welche Rechnungen bis dahin fällig sind.

Was die Inventur zum Jahresende leistet

Für Kaufleute verlangt § 240 HGB grundsätzlich ein Inventar zum Schluss jedes Geschäftsjahres. Es soll die Vermögensgegenstände und Schulden genau verzeichnen und bewerten. Welche Erleichterungen oder Ausnahmen im Einzelfall gelten, hängt von Unternehmen und Rechtsform ab; das kläre ich für den Abschluss mit der Buchhaltung oder Steuerberatung. Die Inventur selbst ersetzt keine Zahlungsplanung: Sie dokumentiert einen Bestand zu einem Stichtag.

Lagerwert ist nicht dasselbe wie freies Geld

Bei meinem Bestandsabgleich notiere ich neben Artikel und Menge auch den letzten Einkauf, noch offene Lieferantenbeträge, bereits zugesagte Verkäufe und erwartete Zahlungstermine. Langsam drehende oder saisonale Ware behandle ich bei meiner Planung vorsichtig. Ein Buchwert sagt mir nicht, an welchem Tag der Kunde zahlt – und er verschwindet nicht automatisch als Aufwand, nur weil ein Teil des Sortiments liegen bleibt. Die Bewertung gehört in die fachliche Abschlussprüfung.

Danach lege ich die Zahlungsseite daneben: Welche Lieferantenrechnungen, Löhne, Miete und Abgaben werden fällig, bevor der Bestand verkauft und bezahlt ist? So wird eine mögliche Lücke sichtbar. Erst an dieser Stelle prüfe ich, ob eine Betriebsmittellinie überhaupt zur Dauer und Höhe des Engpasses passt. Ein Kredit macht aus Lagerbestand keine sichere Einnahme; die Rückzahlung muss auch dann tragbar bleiben, wenn Waren später abfließen oder Kunden später zahlen.

Meine Unterlagen für das Finanzierungsgespräch

  • Inventurliste mit Datum, Mengen und dokumentierter Bewertungsgrundlage.
  • Offene Lieferantenrechnungen sowie Zahlungsfristen.
  • Aufträge oder Bestellungen, bei denen ein Verkauf absehbar ist – getrennt von bereits eingegangenen Zahlungen.
  • Monatsplanung für die nächsten Wochen einschließlich fester Betriebsausgaben und vorhandener Kreditraten.

Damit kann ich erläutern, ob ein zusätzlicher Rahmen eine kurze Bestands- und Zahlungslücke überbrückt oder dauerhaft laufende Verluste verdeckt. Für die Steuerseite trenne ich außerdem die Fälligkeit von der Finanzierung; wie ich Umsatzsteuer und Betriebsmittelkredit getrennt plane, habe ich separat beschrieben. Die Inventur bleibt die Bestandsaufnahme, der Liquiditätsplan die Vorschau – und diese beiden Sichtweisen führe ich erst im Finanzierungsgespräch zusammen.